Abgelaufenes Essen boomt in Dänemark

Veröffentlicht: November 29, 2016 in Uncategorized

Der Supermarkt Wefood verkauft nur abgelaufene Lebensmittel. Doch der Laden ist bei den Dänen äusserst populär.

Die Nahrungsmittel mögen zwar abgelaufen sein, doch für viele Dänen ist es trotzdem eine leckere Alternative. Ein Supermarkt in Kopenhagen, der abgelaufenes Essen verkauft, ist so populär, dass kürzlich einen zweiter Laden eröffnet wurde.

In Dänemark ist es legal, abgelaufenes Essen zu verkaufen. Solange die Produkte klar beschriftet sind und beim Verzehr keine Gefahr besteht. Dänemark konnte so den Anteil von Nahrungsmittelabfällen in den letzten fünf Jahren um 25 Prozent reduzieren.

Gewinn für wohltätige Zwecke

Alle Produkte im Wefood sind von Import- und Export-Firmen sowie lokalen Supermärkten gesponsert. Die Mitarbeiter arbeiten freiwillig und der Gewinn geht an wohltätige Organisationen.

Die Lebensmittel kosten bei Wefood die Hälfte des Preises in regulären Läden. Doch es ist auch für die grössten Fans schwierig den Wocheneinkauf hier zu tätigen. Die Produkte wechseln je nach Angebot täglich. An einem Tag werden die Kunden von Star-Wars-Popcorn begrüsst, während an einem anderen Tag die Früchtesektion auf ein paar wenige Äpfel geschrumpft ist.

Quelle: http://www.20min.ch/panorama/news/story/Abgelaufenes-Essen-boomt-in-Daenemark-13930558

Der Kühlschrank – richtig eingeräumt

Veröffentlicht: November 16, 2016 in Uncategorized

von Nadia Fernandez – Der gestrige 15. November war der internationale Putz-deinen-Kühlschrank-Tag. Und wo wir schon mal beim Putzen sind, können wir ihn auch gleich richtig einräumen.

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In fast jedem Kühlschrank lagern Lebensmittel, die man leider nicht mehr essen kann. Sie sind verdorben, weil sie entweder zu lange oder aber falsch gelagert worden sind. Gegen das erste Problem hilft, beim Einräumen von Einkäufen die frischeren Sachen gegen hinten zu verschieben und die älteren nach vorne zu holen, so dass man sie sieht und nicht vergisst. Was die richtige Lagerung der Lebensmittel betrifft, haben wir für Sie einige Tipps zusammengestellt.

Fleisch, Fisch & Wurst
In jedem Kühlschrank gilt: Unten und hinten ist es kälter als oben und vorne. Leicht verderbliche Lebensmittel wie rohes Fleisch, Fisch und Wurstwaren gehören dorthin, wo es im Kühlschrank am kältesten ist, nämlich auf das erste Fach über der Gemüseschublade. Hier ist auch der beste Ort für alle gefrorenen Esswaren, die schonend aufgetaut werden sollen.

Milch, Yoghurt & Käse
Milcherzeugnisse fühlen sich am wohlsten in der Mitte des Kühlschranks, wo es weder zu kalt noch zu warm ist. Oft wird Milch in der Türe des Kühlschranks gelagert, weil es so praktisch ist. Aber dieser Ort ist eigentlich zu warm dafür und die Milch verdirbt hier schneller.

Eingemachtes
Geöffnete Gläser mit Konfi, Gurken oder auch Reste von bereits gekochten Speisen gehören auf das oberste Regal. Und auch grosse Früchte wie beispielsweise Wassermelonen liegen hier richtig. Achtung: Rohes Fleisch und ungekochter Fisch nie auf diesem Fach lagern!

Gemüse & Obst
Die unteren, abgetrennten Fächer des Kühlschranks sind für die Lagerung von Gemüse und Früchten gedacht. Hier herrscht eine grosse Luftfeuchtigkeit, die dafür sorgt, dass die Sachen lange frisch und knackig bleiben. Noch besser sind sogenannte Null-Grad-Fächer-Schubladen in neueren Kühlschränken. Bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 90% halten sich Gemüse und Obst besonders vitaminschonend.

Eier & Butter
An der Kühlschranktür schwanken die Temperaturen zwischen 8 und 15 Grad Celsius. Auch hier gilt: oben ist es wärmer als unten. Deshalb kommen zuoberst Butter und Eier, in der Mitte Saucen in Gläsern oder Tuben und unten Getränke wie Saft oder Bier.

Bitte nicht!
Die folgenden Lebensmittel gehören NICHT in den Kühlschrank: Bananen, Mangos, Papayas, Honigmelonen, Ananas, Tomaten, Kartoffeln. Sie alle verlieren in der Kälte ihr Aroma oder verändern sogar ihren Geschmack.

Sonst noch was?
Verschliessen Sie angebrochene Lebensmittelpackungen sorgfältig und decken Sie alle Speisen, die im Kühlschrank landen, mit Folie ab. Lassen Sie warme Speisen abkühlen, bevor Sie sie in den Kühlschrank räumen, um Energie zu sparen.

Mindestens zweimal im Jahr, also nicht nur am 15. November, sollten Sie Ihren Kühlschrank ausräumen und mit heisser Seifenlauge reinigen.

 

Quelle: http://www.20min.ch/immobilien/story/29090254

Lebensmittel haben immer kürzere Verkaufsfristen. Die abgelaufene Ware landet oft im Schweinetrog – statt auf dem Teller Bedürftiger.

Fünf Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von rund 37,5 Milliarden Franken wurden 2001 in der Schweiz verkauft. Nicht bekannt sind Menge und Wert der Produkte, die bis zum Ablauf der Verkaufsfrist in den Regalen der Läden liegen blieben. Alle angefragten Detailhändler betonen, dass die Retouren in den letzten Jahren vor allem dank der elektronischen Warenbewirtschaftung massiv zurückgegangen sind. Wegen kürzerer Lieferfristen und stärkerer Berücksichtigung lokaler Produzenten sind die Lagerbestände kleiner geworden – und damit auch das Risiko, das Verfallsdatum zu überschreiten.

Stattliche Abschreibungen
Zahlen will aber keiner nennen. «Die Tonnage können wir nicht beziffern», heisst es bei Branchenführer Migros. Ähnlich vage tönt es bei Manor. Und für Denner ist das Ganze ein vernachlässigbares Problem, seit man einen Grossteil der Frischprodukte aus dem Sortiment genommen hat.

Am konkretesten gibt der Branchenzweite Coop Auskunft: «Bei den Backwaren und bei den Früchten und Gemüsen beträgt die Abschreibungsquote rund fünf Prozent», sagt Pressesprecher Karl Weisskopf. «Bei Fleisch und Fisch sind es zirka drei Prozent.» Die Zahlen von Coop dürften in etwa auch für die Konkurrenz gelten.

In Franken nehmen sich die Retouren freilich um einiges stattlicher aus: Coop erzielt sechs Prozent des Food-Umsatzes von 7,7 Milliarden Franken mit Backwaren. Der Verlust durch Überschreiten der Verkaufsfrist beläuft sich somit allein bei den Backwaren auf rund 23 Millionen Franken pro Jahr. Beim Fleisch sind es sogar 39 Millionen Franken jährlich.

Gemäss einer Marktstudie, die die Beratungsfirma McKinsey im Auftrag der Stiftung «Hoffnung für Menschen in Not» durchgeführt hat, beträgt der Verlust im Handel 14 bis 36 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Damit steht die Schweizer Branche nicht schlecht da. Zum Vergleich: In Grossbritannien verfallen 50 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf und Jahr.

Der in der gesamten Schweiz durch abgelaufene Lebensmittel entstandene Verlust dürfte bei schätzungsweise über einer Milliarde Franken liegen. Die Warenverluste liessen sich leicht reduzieren: durch längere Verkaufsfristen. Doch das möchte niemand. «Wir wollen frische Produkte ohne Konservierungsmittel anbieten», sagt Migros-Sprecherin Susan Hoby. Gleichzeitig wolle man dem Anspruch der Kunden genügen, im Laden stets das vorzufinden, was man gerade wünscht. «Die Kunst liegt darin, die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage zu optimieren.» Restlos vermeiden liessen sich gewisse Überschüsse allerdings nie.

Um die Retouren möglichst klein zu halten, wird bei Migros, Manor und Coop die Ware kurz vor Ablauf der Verkaufsfrist verbilligt. Das meiste wird dann zum halben Preis abgegeben. Fleisch gibt es bei der Migros, sofern es nicht in den M-Restaurants verkocht wird, ab diesem Zeitpunkt um ein Drittel günstiger. «Die Produkte haben noch eine Konsumationsfrist und damit auch eine Qualitätsgarantie», erklärt Migros-Sprecherin Hoby. Diese Praxis sei bei vielen Kundinnen und Kunden mit schmalem Budget sehr beliebt.

Produkte, deren Verkaufsfrist abgelaufen ist, werden der Migros-Kundschaft nicht mehr angeboten. Diese Lebensmittel kann das Personal zu sehr günstigen Konditionen kaufen. Was immer noch liegen bleibt, wird zu einem symbolischen Preis an die Mitarbeiter abgegeben oder entsorgt. «Verschenkt», so Sprecherin Hoby, «wird generell nichts an Einzelpersonen.»

Vergärte Ware als Treibstoff
Über die Art der Entsorgung entscheiden die zehn Migros-Genossenschaften autonom. Einen Grossteil der Ware erhalten Bauern als Tierfutter, der Rest wird vernichtet. Die Migros Zürich testet derzeit eine Alternative zur Verbrennung: Sie vergärt organische Retouren aus den Filialen zusammen mit Speiseresten aus M-Restaurants und Grünabfällen in einer Biogas-anlage. Mit dem Gas werden Laster betankt, was nicht nur Diesel spart, sondern der Migros auch noch einen Umweltpreis eingebracht hat.

Coop gibt die Nahrungsmittel nach Ablauf der Konsumationsfrist an zertifizierte Schweinemästereien ab; das abgelaufene Fleisch landet in der Verbrennung. Coop lehnt eine Abgabe der übrig gebliebenen Ware an wohltätige Organisationen oder Bedürftige ab. «Die Einhaltung der hygienischen Vorschriften würde einen zu grossen logistischen Aufwand erfordern», erklärt Pressesprecher Weisskopf.

Bei Manor hingegen beliefern die Filialen lokale Organisationen wie Gassenküchen und Heime. Auch die Migros Aare gibt überschüssige Lebensmittel an Bedürftige ab. Die Migros-Genossenschaft ist eine von zwölf Firmen, die den Berner Pilotversuch des Projekts «Schweizer Tafeln» mit Lebensmitteln beliefern. Die Esswaren landen in einem Pool und werden an Gassenküchen, Notschlafstellen und Heime verteilt. Die gesamte Logistik, zu der auch gesponserte Kühlfahrzeuge gehören, wird von der Stiftung «Hoffnung für Menschen in Not» betrieben.

Weitere Gelegenheiten, sich wohltätig zu zeigen, bekommen die Detailhändler voraussichtlich schon bald. Denn die «Berner Tafel» soll nur der Anfang sein. «Wir wollen in jeder grösseren Stadt Tafeln einrichten», sagt Urs Grossenbacher, Geschäftsführer der Murtener Stiftung. Auch die Carisatt-Läden der Caritas  profitieren von überschüssigen Lebensmitteln. Also solchen, die zu viel produziert oder fehlerhaft beschriftet wurden. Abgelaufene Esswaren und Getränke dürfen die Carisatt-Läden aber nicht verkaufen.

Da sie der Lebensmittelverordnung unterstehen, müssen sie gleich strenge Bestimmungen erfüllen wie jeder Supermarkt. «Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum verstrichen ist, brauchen wir eine schriftliche Verkaufs-verlängerung des Lieferanten», erklärt die Caritas-Verantwortliche Maria Egli.

Autor:
  • Dani Winter
19. April 2002, Beobachter 8/2002

Nicht das Datum zählt, sondern die Nase findet Nicole Schmidlin. Sie will an ihrem Wohnort ein Zeichen gegen «Foodwaste» setzen und eine Restessbar eröffnen.

Nicole Schmidlin (46), gelernte Hotelfachassistentin und fünffache Mutter, verfolgt eine Idee: Sie möchte das Projekt Restessbar auch in Oensingen einführen. Was bereits in Olten an der Rosengasse existiert, soll bald auch in Oensingen möglich sein. Kollektive Kühlschränke, aus denen jedermann rund um die Uhr noch geniessbare, aber aufgrund des Datums nicht mehr verkaufbare Lebensmittel von Läden, Bäckereien oder Restaurants beziehen kann.

«Sie ist wirklich genial», äussert Schmidlin sich zur Restessbar Olten, deren Entstehen sie mitverfolgt hatte. Das Projekt kennt sie aber nicht erst aus Olten. Sie hatte bereits die Entwicklung in Winterthur beobachtet. «Es gibt viele Familien, die Ende Monat nicht mehr genügend Geld haben, um sich und die Kinder richtig zu versorgen. Generell gibt es viele Leute, die nichts zu essen haben.

Es regt mich auf, dass die Läden nach Feierabend so vieles wegwerfen», so die angehende Sozialbegleiterin. Für sie ist nicht das Verbrauchsdatum massgebend, sondern die Nase. Ganz nach dem Motto: Riecht es noch gut, ist es noch gut.

Räumlichkeit gesucht

Wo genau die Restessbar in Oensingen ihren Standort finden wird, ist noch unklar. «Ich bin erst am Anfang. Es gibt noch einiges abzuklären», sagt sie. Sie orientiert sich am Muster von Olten und setzte sich Anfang Jahr mit Raphael Schär, einem der Verantwortlichen der Restessbar Olten, in Verbindung. Mit ihm besprach sie vor allem die notwendigen, bürokratischen Anfangsschritte.

Die Vereinsstatuten hat sie bereits fertig verfasst. Jetzt geht es darum, den Verein mit provisorischem Namen «Oensingen im Ufbruch» zu gründen und die dazu gehörenden Vereinsmitglieder zu finden. Die Oensinger Restessbar-Initiantin hofft auf Hilfestellung vonseiten der Gemeinde. Sie hofft darauf, dass ihr eine passende Räumlichkeit angeboten wird. Deshalb ist es ihr ein Anliegen, das Projekt schriftlich und mündlich der Gemeinde Oensingen präsentieren zu dürfen.

Eine Sozialarbeiterin wird sie dabei unterstützen. Die Kühlschränke würde sie selber beschaffen. Bis jetzt haben sich vierzehn interessierte Freiwillige bei Schmidlin gemeldet, die über die Facebook-Gruppe «Restessbar Oensingen» davon Wind bekamen. Darunter Christine Ackermann, die für die Asylbetreuung in Oensingen zuständig ist.

Asylbewerberinnen und -bewerber in das Projekt zu involvieren und sie mit Aufgaben zu beauftragen, wie dem Abholen der Lebensmittel oder auf die Kühlschränke Acht zu geben, ist keine abwegige Idee für Schmidlin und Ackermann.

Für die Asylbewerberinnen und -bewerber dürften die kostenlosen Lebensmittel von besonderem Interesse sein, da ihr Budget klein ist. Des Weiteren plant Schmidlin zu einem späteren Zeitpunkt auch die Eröffnung eines offenen Kleiderschrankes: «Ich denke, was mit Essen funktioniert, funktioniert auch mit Kleidern.»

Quelle: http://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/thal-gaeu/frau-will-restessbar-eroeffnen-und-zeichen-gegen-foodwaste-setzen-130087759

In Dänemark hat der erste Supermarkt eröffnet, der ausschliesslich abgelaufene Lebensmittel verkauft. Der Kampf gegen Nahrungsmittelverschwendung hat dort Priorität – ganz im Gegensatz zur Schweiz.

Essensabgaben sind schweizweit gefragt. Auch die Gassenküche verzeichnet mehr Besucher. Es ist aber nicht nur das Essen, das die Leute dorthin treibt.

Die Gassenküche in Lausanne verzeichnet ebenfalls mehr Besucher. (Bild: Yves Leresche)

In der Schweiz werden immer mehr kostenlose Nahrungsmittel nachgefragt. Das zeigen die Zahlen mehrerer Hilfsorganisationen: Wie der «Tages-Anzeiger» am Donnerstag berichtet, gab Tischlein deck dich 2014 rund 2900 Tonnen Lebensmittel ab. Zehn Jahre zuvor waren es nur 420 Tonnen. Auch die Schweizer Tafel, die Gassenküchen, Abgabestellen, aber auch Obdachlosen- und Asylheime sowie Notunterkünfte versorgt, konnte eine Zunahme verzeichnen: Waren es 2004 noch 720 Tonnen Lebensmittel, sind es für 2014 4400 Tonnen.

Bei Caritas, die in ihren Märkten Lebensmittel zu günstigen Preisen verkauft, sind die Umsatzzahlen ebenfalls von 1,4 Millionen Franken (2002) auf 12,7 Millionen Franken (2014) gestiegen. Im letzten Jahr verkaufte Caritas 5600 Tonnen Lebensmittel, 19 Prozent mehr als 2013.

Enormer Zulauf

Die Hilfsorganisationen sammeln die Lebensmittel schweizweit bei Produzenten, Grossverteilern wie Coop, Migros, Denner und Manor und Detaillisten ein.

Die Tausenden Tonnen von Lebensmitteln werden nicht nur gratis verteilt oder zu stark reduzierten Preisen verkauft, sondern auch in Gassenküchen zubereitet, so wie in der Soupe populaire in Lausanne. Seit Jahren kann die Lausanner Gassenküche einen enormen Zulauf verzeichnen: 2014 gab die Gassenküche 68’000 Mahlzeiten aus. 2008, als zum ersten Mal Zahlen erhoben wurden, sind 47’000 Mahlzeiten ausgegeben worden. Für 2015 erwartet man, dass der Rekordwert von 2014 übertroffen wird. So unmöglich scheint das nicht, denn schon für das erste Halbjahr hat die Gassenküche über 35’000 Essen ausgegeben. Bis Ende Jahr werden es wohl – bei rund 200 Gästen pro Abend – über 70’000 sein.

Hinzu kommen Lebensmittelpakete für zu Hause, die in der Statistik nicht verzeichnet werden: 100 Pakete pro Tag, also über 36’000 pro Jahr. In Lausanne gibt es neben der Gassenküche rund 30 weitere Institutionen, die Nahrungsmittel abgeben. «Wir stellen eine zunehmende Prekarisierung der Gesellschaft fest», so Yan Desarzens, Direktor der Stiftung Mère Sofia, zum «Tages-Anzeiger». In der Gassenküche esse man nicht, um sich zu vergnügen.

Besucher mit unterschiedlichsten Bedürfnissen

Die Gassenküche werde von den unterschiedlichsten Menschen besucht: Asylsuchende – auch abgewiesene rumänische Roma, Drogen- und Alkoholabhängige, kinderreiche Familien, Alleinerziehende, Working Poor, Leute, die sich verschuldet haben. Aber auch Menschen mit psychischen Problemen oder ehemalige Häftlinge, die Anschluss suchen. In letzter Zeit aber auch auffallend viele Rentner, die nicht in die Gassenküche kommen, weil sie zu wenig Geld haben, sondern weil sie die Einsamkeit nicht ertragen würden. «Wenn mir jemand sagt, er könnte daheim essen, aber da sei er ganz allein, bricht es mir das Herz», so Desarzens.

«Hemmschwelle ist gesunken»

Doch es gibt auch andere Gründe, wieso die Nachfrage nach kostenlosen Mahlzeiten oder Lebensmittelhilfe gestiegen ist: Für den Basler Soziologieprofessor Ueli Mäder spielt auch die gesunkene Hemmschwelle eine grosse Rolle. «Hilfsorganisationen haben heute ein positiveres Image als noch vor ein paar Jahren. Bedürftige fühlen sich weniger ausgestellt, wenn sie um Hilfe ersuchen.» Das liege unter anderem daran, dass Medien regelmässig über das Thema Armut berichten. «Betroffene wissen deshalb, dass auch andere Menschen auf Hilfsorganisationen angewiesen sind, wodurch sie ihre eigene Lebenssituation in gewisser Weise als normaler betrachten», so Mäder.

Quelle: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Die-Nachfrage-nach-Gratis-Essen-explodiert-12276322

Paris – Französische Supermärkte dürfen unverkaufte Lebensmittel künftig nicht mehr einfach wegwerfen und ungeniessbar machen. Stattdessen müssen die Reste künftig gespendet, kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden.

Auslage eines Supermarktes - in Frankreich dürfen unverkaufte Lebensmittel nicht mehr weggeworfen werden (Symbolbild) (Keystone)
Auslage eines Supermarktes – in Frankreich dürfen unverkaufte Lebensmittel nicht mehr weggeworfen werden (Symbolbild) (Keystone)

Eine entsprechende Regelgung verabschiedete die Nationalversammlung am Donnerstagabend in Paris einstimmig. Grosse Märkte sollen dafür mit karitativen Organisationen zusammenarbeiten.

Regierung und Parlament wollen auf diese Weise die Verschwendung von Lebensmitteln bekämpfen. Pro Kopf werden in Frankreich jährlich bis zu 30 Kilo Lebensmittel weggeschmissen. Ziel der Regierung ist es, diesen Abfall im Gesamtwert von bis zu 20 Milliarden Euro bis 2025 zu halbieren.